Gründertagebuch

Francois Jozic
Erschienen am 04. Juni, 2010
Kommentare 7
Factoring: Das Werk des Teufels oder eine sehr gute Finanzierungslösung?

Factoring: Das Werk des Teufels oder eine sehr gute Finanzierungslösung?

Liebe Interessenten, Liebe Kunden,

die Eingliederung von noa factoring in die noa bank hat viele Fragen in den Medien aufgeworfen. Und dies immer wieder durch Fragen von Journalisten und Kunden sowie Nachweisen in verschiedensten Printmedien sowie meinem Blog. In der Zeitschrift Öko-Test (3/2010), schreibt die Autorin des Artikels: „Außerdem ist das Factoringgeschäft nicht ohne Risiko…“(http://www.noabank.de/presse). Aber welches Finanzierungsgeschäft beinhaltet denn kein Risiko? Ich kenne kein einziges!

Deshalb verstehe ich nicht, wieso Factoring ein solch schlechter Ruf anhaftet?

Factoring ist eine sehr gute Lösung um Unternehmen mit Liquidität zu unterstützen und eine von vielen Arten der Unternehmensfinanzierung darstellt, die bei vielen deutschen Unternehmen zur Liquiditätsbeschaffung äußerst beliebt ist.

Ich glaube, dass viele Menschen Factoring nicht richtig verstehen und es deshalb regelrecht „verteufeln“. Zudem werden Meinungen übernommen und diese als absolute Wahrheit akzeptiert, ohne diese selbst zu hinterfragen.

Aus diesem Grund habe ich mich dazu entschlossen, Factoring als Finanzierungslösung umfassend zu erklären. Dies ist für mich ein weiterer Schritt dem „Finanzanalphabetismus“ entgegenzuwirken.

Factoring – Wie geht das?

Unternehmen können ihre Forderungen gegenüber Dritten, wie zum Beispiel ihren Kunden, an ein Factoring-Institut abtreten. Das Factoring-Institut zahlt dann sofort, gegen eine Gebühr, den fälligen Forderungsbetrag an den Kunden aus. Dadurch erhalten sie sofort Liquidität, schon bevor ihre Forderungen fällig werden. Durch die zur Verfügung stehende Liquidität hat das Unternehmen zudem einen größeren finanziellen Spielraum – es kann zum Beispiel Skonti oder Rabatte durch Barzahlung in Anspruch nehmen. Gerade für kleine und mittelständische Unternehmen ist dies ein unschätzbarer Vorteil.

Zusätzlich zur Liquiditätsbeschaffung bietet das Factoring-Unternehmen auf Wunsch auch Schutz vor Forderungsausfällen. In diesem Fall übernimmt es das komplette Risiko, welches aus einer möglichen Zahlungsunfähigkeit von Schuldnern resultiert.

Ein weiterer Vorteil des Factoring für die meist kleinen und mittelständischen Unternehmen ist , dass die Verwaltung von Rechnungen ausgelagert werden kann und somit administrativer Aufwand wegfällt.

Im deutschen Bankensektor ist die Unternehmensfinanzierung durch Factoring alles andere als unüblich. Fast jede Bank in Deutschland betreibt Factoring, entweder direkt oder in Form einer Tochtergesellschaft. Egal bei welcher Bank Sie also ein Konto eröffnen: Mit einem Teil Ihres Geldes wird sicherlich das Factoringgeschäft der Bank betrieben.Dies ist aber nicht negativ, denn Factoring fördert die reale Wirtschaft und hilft gerade kleinen und mittelständischen Unternehmen.

Factoring als Chance in der Krise

Studien zeigen, dass Factoring für den Mittelstand in Deutschland immer wichtiger wird. So verbessern mittlerweile mehr als 10.500 kleine und mittelständische Unternehmen durch Factoring ihre Liquidität. Dies entspricht einer Factoringquote von vier Prozent in Deutschland. Die Factoringquote drückt dabei das Verhältnis des angekauften Forderungsvolumens im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt aus. Damit liegt der deutsche Factoring-Markt aber immer noch weit hinter anderen europäischen Ländern zurück.

Dort hat diese Finanzierungsform eine weitaus größere Bedeutung: England erreicht als Spitzenreiter eine Quote von 14 Prozent, dahinter folgen Italien (acht Prozent) und Frankreich mit sechs Prozent Factoringquote. Europaweit ist die Factoringquote mittlerweile auf 6,49 Prozent gestiegen.Auch in Deutschland steigt die Factoringquote an, besonders weil Factoring für kleine und mittelständische Unternehmen gerade in der Krise eine Chance bedeutet.

Eine Einschätzung dazu und zur aktuellen Situation auf dem europäischen Markt gibt John Gielen, Vorsitzender des europäischen Dachverbands EUF:


„Die neuen Zahlen bekräftigen, dass Factoringunternehmen und Geschäftsbanken gerade in einer Wirtschafts- und Bankenkrise besonders geeignet sind, vor allem kleine und mittelständische Unternehmen zu finanzieren. Ich bin überzeugt, dass der Marktanteil unserer Branche im nächsten Jahr weiter wachsen wird. Die niedrigeren Factoringquoten in Teilen der EU Länder, gerade im Vergleich zu stärker gesättigten Märkten, weisen ebenfalls auf das große Wachstumspotential der Factoringbranche hin.“

Obwohl durch die angespannte Finanzlage die Umsätze im Factoringbereich in 2009 zurückgingen, steigt die Kundenanzahl kontinuierlich an. Wie die Grafik zeigt, nutzen immer mehr Unternehmen in ganz Deutschland Factoring als Mittel zur Liquiditätsbeschaffung. Trotz des Umsatzrückgangs in 2009, ist der Factoringumsatz in allen europäischen Mitgliedsländern in den letzten neun Jahren kontinuierlich angestiegen:

image

(Quelle: http://www.euf.eu.com)

Gerade in der Krise ist Factoring für viele kleine und mittelständische Unternehmen eine Alternative zum Bankkredit. Ein gesamtwirtschaftlicher Aufschwung ist in Deutschland zwar noch nicht erreicht, doch "das Interesse an Factoring als Finanzierungsform ist ungebrochen und eine Marktsättigung ist noch lange nicht erreicht", so Volker Ernst, Geschäftsführer von Ernst Factoring und Vorsitzender des Bundesverbands Factoring für den Mittelstand (BFM) in der Financial Time Deutschland (http://www.ftd.de/unternehmen/handel-dienstleister/:finanzierung-factoringfirmen-reissen-sich-um-kleine-firmen/50100284.html)

Ein Grund: Die Banken haben die Richtlinien für die Vergabe von Krediten im letzten Jahr deutlich verschärft– und durch die derzeitigen Geschehnisse ist von einer schnellen Erholung dieser Situation nicht auszugehen.

Das zeigt auch ein Bericht der Europäischen Zentralbank (EZB) in ihrer veröffentlichten Kreditumfrage vom 28. April 2010 (http://www.ecb.europa.eu/stats/pdf/blssurvey_201004.pdf?ffded7304396982a6646825cebe6e134). Zwischen dem 15. März und 1. April wurden dafür 119 Banken der Euro-Zone befragt. Es wird deutlich, dass die Geldhäuser europaweit ihre Vergabekriterien im ersten Quartal 2010 nicht gelockert haben und damit rechnen, die Vergabekriterien noch weiter verschärfen zu müssen. In Deutschland blieben die Regelungen zwar zum größten Teil unverändert, aber „für langfristige Ausleihungen verzeichneten die Institute leichte Verschärfungen“, so die Deutsche Bundesbank in einer Pressenotiz vom 28. April 2010 (http://www.bundesbank.de/download/presse/pressenotizen/2010/20100428.banklending.php).

Für kleine und mittelständische Unternehmen entscheiden diese „leichten Verschärfungen“ oft über das wirtschaftliche Überleben. Die Kreditbeschaffung wird schwieriger oder gar unmöglich.

Durch Factoring haben Unternehmen die Möglichkeit leichter an frisches Geld zu gelangen und haben dadurch die Möglichkeit ihre Liquiditätslage zu verbessern.Denn diese ist auch für Banken bei der Kreditvergabe absolut ausschlaggebend. Auch die IHK Frankfurt am Main, sagt in Ihrer Pressemitteilung vom 7. Mai 2010: „Banken legen bei ihren Kreditentscheidungen großen Wert auf ein gut funktionierendes Liquiditätsmanagement. Damit Kreditwünsche nicht abgelehnt werden, ist es wichtig, bereits im Vorfeld die Anforderungen zu kennen und Fehler zu vermeiden.“ (http://www.frankfurt-main.ihk.de/presse/meldungen/2010/08637/index.html)

Ohne Liquidität gibt es also nicht die Kredite, die für kleine und mittelständische Unternehmen inmitten der größten Finanz- und Wirtschaftskrise aller Zeiten so wichtig sind. Und der beste Weg zur Liquidität heißt für immer mehr Unternehmen: Factoring.

Die Studie „Factoring – Image im Wandel“ (Herausgegeben von FINANCE und RBS Factoring) unter mittelständischen Unternehmen zeigt, dass Factoring einen immer größeren Stellenwert bei den Unternehmen einnimmt. Gerade für die Branchen Handel und Ernährungswerte ist Factoring ein selbstverständliches Mittel zur Finanzierung geworden. Aber die Nutzung erstreckt sich mittlerweile auf fast alle Branchen:

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Schwerpunktbranchen Factoringkunden in 2009 in Porzent (Quelle: Deutscher Factoring-Verband e.V., Jahresbericht 2009)

Factoring im Verband

Fast alle Factoringunternehmen in Deutschland und weltweit sind in Verbänden organisiert. Davon profitieren vor allem die Kunden: Die Unternehmen tauschen ihr Wissen sowie ihre gemachten Erfahrungen aus und lernen dadurch voneinander. So können die Factoringunternehmen ihre Produkte auf die Bedürfnisse ihrer Kunden besser abstimmen und jedem Kunden die passende Finanzierungsmöglichkeit anbieten.

Die größten Verbände in Deutschland sind der Deutsche Factoring-Verband e.V. (www.factoring.de), mit 25 Mitgliedsunternehmen, und der Bundesverband Factoring für den Mittelstand (www.bundesvaerband-factoring.de), mit 33 Mitgliedern.

Ende 2008 wurde zudem der europäische Dachverband EUF (http://www.euf.eu.com/) auf Initiative des britischen Factoringverbandes ABFA (http://www.abfa.org.uk/) und der International Factors Group (www.ifgroup.com), dem auch noa factoring angeschlossen ist, ins Leben gerufen. Der Dachverband vertritt die Interessen der Factoringunternehmen auf europäischer Ebene und setzt sich dort für die Belange der Kunden ein. Mittlerweile spricht der Dachverband für mehr als 300 Factoringunternehmen europaweit unter dem Slogan: „One mission, one platform, one voice“.

Die Zukunft von Factoring in Deutschland

Laut der Studie „Factoring – Image im Wandel“, können sich 55 Prozent der Mittelständler vorstellen, Factoring zu nutzen, wenn sich die Zahlungsmoral der eigenen Kunden verschlechtert. 20 Prozent denken über die Factoringfinanzierung in naher Zukunft nach. Leider zeigt die Studie zeigt aber auch, dass 54 Prozent der Mittelständler gar nicht oder unzureichend über Alternativen zur klassischen Unternehmensfinanzierung Bescheid wissen. Hier besteht also noch erheblicher Aufklärungsbedarf in Deutschland. Auch dazu soll dieser Blogeintrag beitragen.

Ich hoffe, ich konnte dazu beitragen Vorurteile abzubauen und Vorteile von Factoring aufzeigen. Gerade in Zeiten der Krise und den verschärften Anforderungen durch Banken bietet Factoring eine sehr gute Alternative für die Finanzierung von Unternehmen, besonders für kleine und mittelständische Unternehmen.

Kein Finanzanalphabetismus mehr!

Beste Grüße
Ihr Francois Jozic


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7 Kommentare

Ulf Kühnle

Sehr geehrter Herr Jozic,
vielen Dank für die Erläuterungen zum Thema Factoring.
Eine Frage beschäftigt mich noch: Was bedeutet Factoring denn für den eigentlichen Schuldner? Wie ändert sich die Situation für ihn? Kann er dadurch Nachteile haben oder ist das Verfahren vielleicht sogar für ihn zum Vorteil?
Vielen Dank und beste Grüße
Ulf Kühnle

Mike

Jeder Privatpatient kennt das: die Rechnung seines Arztes kommt von einer privatärztlichen Verrechnungsstelle. Nur wenige Ärzte schreiben ihre Rechnungen noch selbst (und kümmern sich um das Inkasso!).
Auch das ist Factoring, aber niemand würde dahinter etwas “Böses” vermuten. Warum also im gewerblichen Bereich?

Francois Jozic

Sehr geehrter Herr Kühnle,

für den Schuldner verändert sich die Situation nicht, er muss lediglich den Rechnungsbetrag an einen anderen Empfänger abführen.

Beste Grüße
Francois Jozic

Nico

Hallo Herr Jozic,

was ist mit der Noa Bank los oder was ist mit dem Blog los?
Bekommen wir keine News von der Entwicklung der Bank mehr? Dass die Noa Bank Mitarbeiter sucht oder das Factoring-Geschäft erklärt wird, ist als Bankkunde reichlich uninteressant. Letztere Information kann man sich selbst über google bequem beschaffen.

Seit Wochen wird nichts mehr über den aktuellen Stand der Girokontovergabe berichtet. Es gibt schon lange keine neuen Kreditvergaben mehr. Die Einlagen wachsen viel langsamer als zu Beginn. Es ist ziemlich ruhig geworden um die Noa Bank.
Schreiben Sie dazu doch etwas!

Beste Grüße
Nico

Rene

Hallo Herr Jozic,

Ich kann meinem Vorredner nur anschließen: die aktuelle Funkstille finde ich als Kunde der noa Bank ebenfalls sehr denkwürdig.

Wann wird es Infos zum Stand der Girokontenvergabe geben?

Wann wird die Tagesgeldkontovergabe wieder zur Verfügung stehen?

Warum wurde seit Mai nur ein Kredit vergeben?

Wird es irgendwann möglich sein ein Festgeldkonto zu eröffnen ohne erneut das Postident-Verfahren durchführen zu müssen?

Fragen über Fragen ...

... Antworten wären wirklich angebracht!

Schon mal vielen Dank für die hoffentlich bald folgenden Antworten Ihrerseits!

Gruß

Rene

nominee

Ich wundere mich auch, klar ist es verständlich, dass Bankintern sicher eines los ist. Abger zumindest eine grobe Erklärung warum es ruhiger wird, das wäre transparent.
Ansonsten kann man nur sagen, dass die noa bank mit wachsenden Kundeneinlagen eine ganz normale Bank wird….das wäre nicht erfreulich…..

Viele Grüße

Maximilian K.

Hallo Nico (Post vom 19.06.),

volle Zustimmung, genau das Gleiche habe ich mir seit einigen Tagen auch gedacht :
- der Girokonto-Infotermin längst überfällig
- der Factoring-Artikel langatmig mit vielen Wiederholungen der Botschaft
“... ist gut für kleine und mittlere Unternehmen” - wird so wohl einem Werbeprospekt
von Quorum entnommen sein ...

Mir fällt auf, daß die Blog-Kommentare hier in Zeitintervallen eingepflegt werden,
die wohl nicht der Schreibfrequenz entsprechen. Die noa bank hat nun angeblich
15.000 Kunden. Daß da mal eine Woche lang so gar niemand sich artikuliert,
erscheint mir eher unwahrscheinlich ...
Vielleicht hat der einspeisende EDV-Mensch aber nur nicht immer Lust ?
Oder der Chef bastelt an einem neuen Posting und will keine Kommentare zu den alten mehr lesen ?

Apropos alte Posts : Die (Herr Heismann und Co) sind, wenn ich’s richtig sehe, wohl gelöscht bzw. nicht mehr zugänglich (!)

Aber dafür haben wir ja gerade den neuesten Chef-Post hereinbekommen “noa friert auch Festgeld ein ...”

Tja, Nico, das ist sozusagen auch ne Antwort zu Ihrem Kommentar :
Kein Girokonto mehr, dafür frieren wir jetzt “alles” ein - danke für das Geld, uns reicht’s jetzt erstmal.

Daß das so geht, bezweifle ich im Fall des Tagesgeldes für Bestandskunden stark.
Doch das kommentiere ich am besten wohl direkt beim neuen Artikel.

Gruß,
Maximilian K.

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