Als Consultant habe ich 1994 damit begonnen, kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) in Belgien finanzielle Hilfestellung zu leisten. Schon damals war es schwierig, an die Mittel zur Finanzierung solcher Unternehmen zu kommen. Während ich in den ersten 10 Jahren durchaus konkrete Unterstützung für viele KMU erreichen konnte, waren die letzten Jahre meiner Karriere als Unternehmensberater in dieser Hinsicht eher schwierig.
Es war mir quasi unmöglich geworden, meinen Klienten Finanzlösungen vorzulegen, da die Banken es ablehnten, kleine und mittlere Betriebe zu finanzieren.
Aus wirtschaftlicher Sicht eine skandalöse Einstellung. Es schien, dass die Banken vergessen hatten, dass die KMU 95 % der Unternehmen stellen und mehr als zwei Drittel der privatwirtschaftlichen Arbeitsplätze – in Deutschland ebenso wie in Europa.
Die Banker zogen die Spekulation der realen Wirtschaft vor.
Ich war empört – und umso fester entschlossen, Lösungen zu finden.
2003 traf ich meinen Freund und Geschäftspartner, Frédéric Lodewyk, wieder. Auf einem ganz anderen Weg – er beschäftigte sich seit Jahren mit der Auflösung familiengeführter Unternehmen – war er zur gleichen Erkenntnis gekommen wie ich: Die Dinge sollten sich ändern, und wir waren bereit, diese Herausforderung anzunehmen.
So wurde in 2004 das Factoring-Unternehmen Quorum AG aus der Taufe gehoben. Fünf Jahre später finanzierte diese Firma annähernd 500 KMU in ganz Deutschland.
Darauf bin ich sehr stolz, denn wir haben hart kämpfen müssen. Wir mussten Vorurteile besiegen. Wir mussten diese spezielle Art und Weise der Finanzierung kennen und meistern lernen. Wir mussten die verbissenen Medienkampagnen unserer Wettbewerber ertragen – übrigens fast alles Banken-Töchter.
Es stimmt – unsere Firma hat die Art der Finanzierung revolutioniert, hat manchen Fehler begangen, aber unser hauptsächliches Ziel haben wir erreicht: die Finanzierung der kleinen und mittleren Unternehmen.
Seit dem Frühjahr 2008 musste ich allerdings einsehen, dass unsere Mittel zu sehr limitiert sind. Wenn wir mehr Betriebe finanzieren wollten, mussten wir auch mehr Mittel haben.
Tatsächlich – ich habe begriffen, dass wir unser Ziel nur erreichen können, wenn wir selber eine Bank werden.
Die Ereignisse des Septembers 2008 und das, was wir heute die Finanzkrise nennen, haben mir die Gelegenheit dazu gegeben.
Die erste Frage, die ich beantworten musste, hieß, gründen wir eine neue juristische Einheit oder kaufen wir eine, die bereits über eine Banklizenz verfügt?
Sehr schnell fiel die Wahl auf den Erwerb einer bestehenden Bank. Ganz abgesehen davon, dass eine sehr große administrative Last zu stemmen gewesen wäre, rieten mir meine Berater – Anwälte und Auditoren – davon ab, so kurz nach dem größten Bankencrash unserer Geschichte eine Banklizenz zu beantragen. Es wäre wohl nicht opportun gewesen – und ich konnte ihnen nicht widersprechen.
Aber – welche Bank sollten wir aussuchen?
Es musste eine Bank sein, die zum Verkauf stand und keine Leichen im Keller hatte (schließlich wollte ich ja eine radikal andere Bank formen und wollte weder toxische Anlagewerte übernehmen noch Personal erben, das auf Spekulation spezialisiert war). Andererseits suchte ich nach grundlegenden Gegebenheiten, die den reibungslosen Ablauf einer klassischen Bank sichern, zum Beispiel eine solide IT.
Zu guter Letzt blieb als einzige Kaufoption, die diesen Basiskriterien entsprach, das Bankhaus Zwirn GmbH & Co. KG übrig.
Diese Bank gehörte einem amerikanischen Hedgefonds-Unternehmen, ebenfalls namens Zwirn, nach dessen Gründer. Der Fonds war in den Sog der Finanzkrise geraten und gezwungen, seine Aktiva und also seine Bank zu verkaufen. Mit Ausnahme von drei Transaktionen hatte das Hedgefonds-Unternehmen selbst nie Gelegenheit gehabt, das Bankhaus zu entwickeln.
Ein gründliches Audit erlaubte es mir, festzustellen, dass diese Bank alle wesentlichen Merkmale besaß, um die Ziele der noa zu erreichen:
- eine allgemeine Banklizenz
- eine IT-Infrastruktur, die unsere Bedürfnisse abdeckt
- eine gesunde finanzielle Situation, frei von allen zweifelhaften Transaktionen
Dieser letzte Punkt war für unsere Auditoren ein ganz entscheidender Aspekt. Tatsächlich gehörte die Bank dem amerikanischen Hedgefonds Zwirn, der sie selber wiederum in 2006 von einem amerikanischen Investmentfonds namens Invesco gekauft hatte. Ironie der Geschichte – letzterer hatte die Bank in 1998 von der LTG erworben. Jener Bank aus Liechtenstein also, deren Ruf mir Anlass zu allerlei Zweifeln gab
.Unsere Auditoren allerdings waren sich sicher:
Keine der in der Vergangenheit getätigten Transaktionen würde der heutigen Bank zum Nachteil gereichen.
Die Kaufverhandlungen fanden im Frühjahr 2009 statt. Sie waren nicht immer angenehm. Die Vertreter der Verkäufer waren nicht sehr kompromissbereit und verfügten über ein cholerisches Temperament. Geschrei und Türeschlagen waren an der Tagesordnung. Dennoch wurde die Transaktion am 25. Juni 2009 mit Erfolg abgeschlossen.
Somit wurde das Bankhaus Zwirn GmbH & Co. KG zur Basis für die Geburt der noa bank.
Mit der Krise von 2008 drängten sich uns ganz elementare Fragen auf. Denn niemand hatte mehr Vertrauen in das Bankensystem. Ich am allerweinigsten.
Für mich war die einzig denkbare Antwort, dass wir eine Bank brauchen, die Spekulationen ablehnt. Ich war schon immer der Ansicht, dass es nichts Unnützeres als die Spekulation gibt.
Außerdem wollten wir eine Bank, die völlig transparent ist, um die Verbindung zwischen dem Sparer und dem Unternehmer wiederherzustellen, der Arbeitsplätze schafft. Und vor allem eine Bank, die es jedem Bürger erlaubt, zu wählen, was mit seinem Geld gemacht wird, nämlich nützliche Projekte zu finanzieren.
Das Gefühl reißt mich geradezu mit bei dem Gedanken, wie sich die Welt verändern könnte, wenn wir jeden Menschen darüber entscheiden lassen würden, wozu sein Geld genutzt werden soll. Milliarden von Milliarden könnten endlich dazu genutzt werden unseren wahren Herausforderungen entgegen zu treten.
Ich muss zugeben – ich setze weit mehr Vertrauen in den gesunden Menschenverstand unserer Sparer, als in den von Tradern. Und ich glaube fest an diese „Finanz-Demokratie.“
Heute weiß ich, dass der Weg hin zu dieser Vision lang und voller Tücken sein wird (die mächtigen Lobbies unserer Wettbewerber erwarten uns schon). Aber das ist der Weg, den ich eingeschlagen habe, und die Menschen, die mich begleiten, die diesen Enthusiasmus mit mir teilen, werden von Tag zu Tag mehr.
Sehr geehrter Herr Jäger,
die noa bank hat nicht die Absicht Menschen im Regen stehen zu lassen.
Zurzeit haben wir aber keine andere Wahl. Lesen Sie dazu bitte auch die vorher gemachten Kommentare, daraus wird ersichtlich, wieso die Bank sich so verhalten muss.
Nice post and this mail helped me alot in my college assignement. Gratefulness you as your information.
Jeder der hier der NOA Bank ein “im Regen stehen lassen” vorwirft sollte sich doch mal die Alternative überlegen:
Falls man das Girokonto aber auf Grund des Schufa Eintrages keine Mastercard dazu bekommt, dann bezahlt man bei jedem mal Geld abheben 5€. Ob das dann wirklich noch eine attraktive Alternative zum (gebührenpflichtigen aber garantiert für jedermann erhältlichen) Sparkassenkonto darstellt, sei mal dahingestellt.
Ansonsten wirklich tolle Idee, ich habe gestern ein Tagesgeldkonto beantragt und denke auch über die anderen Angebote nach.
Gerade die KMUs als Rückgrat der deutschen Wirtschaft werden es Ihnen hoffentlich danken.
Viel Erfolg
Christian
Nachdem ich nun 25 Jahre bei “normalen” Banken gearbeitet habe muss ich sagen: Respekt!
Es steht jemand auf und macht was neues! Das ist sehr lobenswert.
Es kann nicht alles am Anfang perfekt sein. Aber ich meine es ist ein guter Weg.
Alles Gute und viele neue Kunden!
Hallo Herr Jozic.
Ich finde Ihr Vorhaben und die eventuellen Folgen für die Branche interessant. Umsomehr verwunderte es mich den folgenden Inhalt über die Quorum AG zu finden:
http://www.wdr.de/mediathek/html//regional/2008/07/22/aks_04.xml
Wie kommentieren Sie das Gebahren des Unternehmens, dass Sie 2004 aus der Taufe gehoben haben ?
Ich möchte in diesem Zusammenhang keine Misverständnisse aufkommen lassen. Mir geht es lediglich darum die von Ihnen beworbene Transparenz zu unterstützen um näheres zu erfahren über Praktiken, die mit meinem Geld, vorgenommen werden.
P.S. Kompliment an die Präsenz im Blog. So gehts Herr Ackermann !
Sehr geehrter Herr Stöberer,
ich freue mich, dass Sie die Philosophie der noa bank teilen. Zur Quorum AG habe ich bereits an verschiedenen Orten Stellung bezogen und stelle Ihnen anbei meinen Kommentar zu dem Bericht des WDR zur Verfügung:
“Quorum ist eine großartige Firma, die seit 2005 über 500 Firmen in Deutschland finanziert.
Wir waren erfolgreich, weil wir alles radikal anders gemacht haben. Ein absolut neues Geschäftsmodell, eine neue Verkaufsstrategie, eine neue Zielgruppe (KMU‘s), eine neue Risikovorgehensweise, etc. Nach 4 Jahren wurden wir die Nummer 2 oder 3 im Markt, gemessen an der Anzahl der Kunden.
Eindeutig, Quorum hat Regeln gebrochen – gehasst von der Konkurrenz (bis zum Jahr 2005 war Deutschland der am meisten unterentwickelte Markt für Factoring in Europa – das beschreibt die Dynamik unserer Konkurrenten).
Deshalb haben einige Konkurrenten, unterstützt von einer kleinen Gruppe nur wenig unabhängiger Journalisten, angefangen nach einer Verfehlung zu suchen. Und sie haben auch eine gefunden. Dies hat zu der WDR Geschichte geführt, die Sie erwähnt haben.
Dabei ist es so einfach: man nehme einen gefeuerten Angestellten, einen frustrierten Kunden, welcher keinen Kredit mehr bekommt aufgrund seiner dramatischen finanziellen Situation, einen schlechten Unternehmenssprecher (unser Fehler!) und man erhält einen fantastischen Cocktail der Manipulation.
Der Kunde wurde dazu gedrängt eine Klage bei der Staatsanwaltschaft einzureichen (das war natürlich sensationell für die WDR Geschichte), aber ein Jahr später ging er nicht zur Staatsanwaltschaft um Stellung zu seiner Klage zu beziehen. Die Staatsanwaltschaft gab auf.
Ich sage nicht, dass wir keine Fehler gemacht haben, eine schnell wachsende Firma ist immer schwierig zu führen. Wir haben versucht mit Selbständigen zu arbeiten, um unsere Verkaufsaktivitäten auszuweiten. Dies hat unserem Ansehen geschadet (man kann Selbständige nicht kontrollieren).
Zu der Zeit dieser Geschichte, haben wir INFAS damit beauftragt, unsere Kunden einer unabhängigen Befragung zu unterziehen (http://www.ecco-duesseldorf.de/service/quorum/quorum.html). Das Ergebnis war eindeutig: mehr als 82 % unserer Kunden waren absolut zufrieden mit Quorum. Natürlich bedeutet das auch, dass 18 % unserer Kunden unglücklich waren. Dabei darf man nicht vergessen, dass das Hauptproblem der Finanzierung das Entstehen von Kundenunzufriedenheit ist: tatsächlich kann man nicht zu jedem ja sagen, manchmal muss man eine Beziehung beenden oder aber die Finanzierung einschränken.
Ich bin mir sicher, dass diese Situation auch bei noa entstehen wird.
Auf jeden Fall ist Quorum eine Firma, auf die ich sehr stolz bin. Wie ich bereits mehrere Male gesagt habe, Quorum und die noa bank werden in Kürze ein Unternehmen sein.”
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Sehr geehrter Hr. Jozic,
ich würde mich noch auf eine Stellungsnahme zu meinem Eintrag vom 23.November.2009 freuen.
Ich habe mittlerweile ein Noa Girokonto und kann mich wirklich nicht beschweren.
Nur eins stört, das Onlinebanking verkraftet keine Umlaute.
Mfg.
Jürgen Malberg
hallo herr jozic.gibt es im laufe dieses jahres überlegungen von seitens der noabank auch konten auf guthabenbasis(jedermannkonto) einzurichten?ich würde gerne die teuren kontogebühren von der neuen commerzbank mir ersparen. Im moment 8.90 eur im monat.ich denke für uns problemkunden wären moderate kontogebühren ok.leider gibt es die dresdner bank bald nicht mehr.
Genau, dem kann ich nur zustimmen.
18. Januar, 2010