Gründertagebuch

Francois Jozic
Erschienen am 04. November, 2009
Kommentare 40
Warum habe ich die noa bank gegründet?

Warum habe ich die noa bank gegründet?

1. Der Ursprung

Als Consultant habe ich 1994 damit begonnen, kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) in Belgien finanzielle Hilfestellung zu leisten. Schon damals war es schwierig, an die Mittel zur Finanzierung solcher Unternehmen zu kommen. Während ich in den ersten 10 Jahren durchaus konkrete Unterstützung für viele KMU erreichen konnte, waren die letzten Jahre meiner Karriere als Unternehmensberater in dieser Hinsicht eher schwierig.

Es war mir quasi unmöglich geworden, meinen Klienten Finanzlösungen vorzulegen, da die Banken es ablehnten, kleine und mittlere Betriebe zu finanzieren.

Aus wirtschaftlicher Sicht eine skandalöse Einstellung. Es schien, dass die Banken vergessen hatten, dass die KMU 95 % der Unternehmen stellen und mehr als zwei Drittel der privatwirtschaftlichen Arbeitsplätze – in Deutschland ebenso wie in Europa.

Die Banker zogen die Spekulation der realen Wirtschaft vor.
Ich war empört – und umso fester entschlossen, Lösungen zu finden.

2003 traf ich meinen Freund und Geschäftspartner, Frédéric Lodewyk, wieder. Auf einem ganz anderen Weg – er beschäftigte sich seit Jahren mit der Auflösung familiengeführter Unternehmen – war er zur gleichen Erkenntnis gekommen wie ich: Die Dinge sollten sich ändern, und wir waren bereit, diese Herausforderung anzunehmen.

So wurde in 2004 das Factoring-Unternehmen Quorum AG aus der Taufe gehoben. Fünf Jahre später finanzierte diese Firma annähernd 500 KMU in ganz Deutschland.

Darauf bin ich sehr stolz, denn wir haben hart kämpfen müssen. Wir mussten Vorurteile besiegen. Wir mussten diese spezielle Art und Weise der Finanzierung kennen und meistern lernen. Wir mussten die verbissenen Medienkampagnen unserer Wettbewerber ertragen – übrigens fast alles Banken-Töchter.

Es stimmt – unsere Firma hat die Art der Finanzierung revolutioniert, hat manchen Fehler begangen, aber unser hauptsächliches Ziel haben wir erreicht: die Finanzierung der kleinen und mittleren Unternehmen.

Seit dem Frühjahr 2008 musste ich allerdings einsehen, dass unsere Mittel zu sehr limitiert sind. Wenn wir mehr Betriebe finanzieren wollten, mussten wir auch mehr Mittel haben.

Tatsächlich – ich habe begriffen, dass wir unser Ziel nur erreichen können, wenn wir selber eine Bank werden.

Die Ereignisse des Septembers 2008 und das, was wir heute die Finanzkrise nennen, haben mir die Gelegenheit dazu gegeben.

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2. Die Gründung

Die erste Frage, die ich beantworten musste, hieß, gründen wir eine neue juristische Einheit oder kaufen wir eine, die bereits über eine Banklizenz verfügt?

Sehr schnell fiel die Wahl auf den Erwerb einer bestehenden Bank. Ganz abgesehen davon, dass eine sehr große administrative Last zu stemmen gewesen wäre, rieten mir meine Berater – Anwälte und Auditoren – davon ab, so kurz nach dem größten Bankencrash unserer Geschichte eine Banklizenz zu beantragen. Es wäre wohl nicht opportun gewesen – und ich konnte ihnen nicht widersprechen.

Aber – welche Bank sollten wir aussuchen?
Es musste eine Bank sein, die zum Verkauf stand und keine Leichen im Keller hatte (schließlich wollte ich ja eine radikal andere Bank formen und wollte weder toxische Anlagewerte übernehmen noch Personal erben, das auf Spekulation spezialisiert war). Andererseits suchte ich nach grundlegenden Gegebenheiten, die den reibungslosen Ablauf einer klassischen Bank sichern, zum Beispiel eine solide IT.

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Zu guter Letzt blieb als einzige Kaufoption, die diesen Basiskriterien entsprach, das Bankhaus Zwirn GmbH & Co. KG übrig.

Diese Bank gehörte einem amerikanischen Hedgefonds-Unternehmen, ebenfalls namens Zwirn, nach dessen Gründer. Der Fonds war in den Sog der Finanzkrise geraten und gezwungen, seine Aktiva und also seine Bank zu verkaufen. Mit Ausnahme von drei Transaktionen hatte das Hedgefonds-Unternehmen selbst nie Gelegenheit gehabt, das Bankhaus zu entwickeln.

Ein gründliches Audit erlaubte es mir, festzustellen, dass diese Bank alle wesentlichen Merkmale besaß, um die Ziele der noa zu erreichen:

- eine allgemeine Banklizenz
- eine IT-Infrastruktur, die unsere Bedürfnisse abdeckt
- eine gesunde finanzielle Situation, frei von allen zweifelhaften Transaktionen

Dieser letzte Punkt war für unsere Auditoren ein ganz entscheidender Aspekt. Tatsächlich gehörte die Bank dem amerikanischen Hedgefonds Zwirn, der sie selber wiederum in 2006 von einem amerikanischen Investmentfonds namens Invesco gekauft hatte. Ironie der Geschichte – letzterer hatte die Bank in 1998 von der LTG erworben. Jener Bank aus Liechtenstein also, deren Ruf mir Anlass zu allerlei Zweifeln gab

.

Unsere Auditoren allerdings waren sich sicher:
Keine der in der Vergangenheit getätigten Transaktionen würde der heutigen Bank zum Nachteil gereichen.

Die Kaufverhandlungen fanden im Frühjahr 2009 statt. Sie waren nicht immer angenehm. Die Vertreter der Verkäufer waren nicht sehr kompromissbereit und verfügten über ein cholerisches Temperament. Geschrei und Türeschlagen waren an der Tagesordnung. Dennoch wurde die Transaktion am 25. Juni 2009 mit Erfolg abgeschlossen.

Somit wurde das Bankhaus Zwirn GmbH & Co. KG zur Basis für die Geburt der noa bank.

3. Der Aufbau

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Mit der Krise von 2008 drängten sich uns ganz elementare Fragen auf. Denn niemand hatte mehr Vertrauen in das Bankensystem. Ich am allerweinigsten.

Für mich war die einzig denkbare Antwort, dass wir eine Bank brauchen, die Spekulationen ablehnt. Ich war schon immer der Ansicht, dass es nichts Unnützeres als die Spekulation gibt.
Außerdem wollten wir eine Bank, die völlig transparent ist, um die Verbindung zwischen dem Sparer und dem Unternehmer wiederherzustellen, der Arbeitsplätze schafft. Und vor allem eine Bank, die es jedem Bürger erlaubt, zu wählen, was mit seinem Geld gemacht wird, nämlich nützliche Projekte zu finanzieren.
Das Gefühl reißt mich geradezu mit bei dem Gedanken, wie sich die Welt verändern könnte, wenn wir jeden Menschen darüber entscheiden lassen würden, wozu sein Geld genutzt werden soll. Milliarden von Milliarden könnten endlich dazu genutzt werden unseren wahren Herausforderungen entgegen zu treten. Ich muss zugeben – ich setze weit mehr Vertrauen in den gesunden Menschenverstand unserer Sparer, als in den von Tradern. Und ich glaube fest an diese „Finanz-Demokratie.“

Heute weiß ich, dass der Weg hin zu dieser Vision lang und voller Tücken sein wird (die mächtigen Lobbies unserer Wettbewerber erwarten uns schon). Aber das ist der Weg, den ich eingeschlagen habe, und die Menschen, die mich begleiten, die diesen Enthusiasmus mit mir teilen, werden von Tag zu Tag mehr.


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40 Kommentare

Francois Jozic

@online casino

nicht Jahre, nicht Wochen, sondern nur 8 Tage!

andreas wissemann

ich kann ihnen die namen von zwei weiteren banken geben die nur ein konto auf guthabenbasis ohne ec-karte einrichten .diese beiden mitbewerber heißen die gls-bank bochum die auch sozial und ökologische produkte vertreibt und die augsburger aktienbank.wir haben in bochum ca 20000arbeitslose und diese menschen sind keine betrüger herr jozic!i sollen wir arbeitslose ihnen für die eröffnung eines kontos ein polizeiliches führungszeugniss geben.?!wie lächerlich.

Jun

Wenn eine Bank oder irgend etwas Anderes nicht mit einer Idee beginnt, womit dann? Auch die Finanzprodukte vor der Krise begannen mit einer Idee. Meist waren es die Ideen von Profit, Schnell und Mehr. Da jetten zig Billiarden, das 7 Fache der realen Wirtschaft, um den Globus und alles ist in Ordnung?

Ich war, wie viele hier, auch nicht einverstanden damit, dass “Bänker” auf Bonuszahlungen sogar rechtlichen Anspruch haben und das Mitten im GAU. Auch so eine Idee ... .

Die Idee hinter der noa Bank finde ich gut und vor allem folgt der Idee Inhalt!

Irgendwer hat mal gesagt “Wenn wir das Ideal erreicht haben, haben wir was falsch gemacht.” Hier muss sich die Idee an der Realität reiben und tut es auch. Wenn ich es also richtig verstanden habe, war die Wahl der MasterCard ein Kompromiss. Das lässt zwar kein negativ Merkmal bei der Schufa zu, ist aber zurzeit die beste Alternative. Das war bestimmt ein Kompromiss mit ziemlich viel Zähne knirschen.

In dieser Welt gibt es Haifische und Haifischfutter und Menschen, die gelernt haben, mit Haien zu schwimmen. In diesem Sinne weiter machen! wink

Nado

Hallo!

Ich habe gerade erfreut ihre Antwort gelesen. Den Aspekt mit der Master Card Instant habe ich auch erst später bedacht.
Ich wollte den Blog eigentlich nicht nutzen, um Sie abschließend zu beurteilen - als Verbraucher war ich wohl etwas misstrauisch. Negative Erfahrungen mit Finanz-, Telekommunikationsunternehmen etc. haben mich dazu veranlasst. Danke auf jeden Fall für Ihre ausführlichen und hilfreichen Antworten - transparenter als auf der Website.

Viel Glück grin

Francois Jozic

Sehr geehrter Herr Wissermann,

Ihre Methode, sich ständig zwei Wörter aus meinen Kommentaren herauszusuchen und auf dieser Grundlage ein Statement abzugeben, welches den Eindruck vermitteln soll, dass ich Arbeitslose für Betrüger halte, ist schockierend und populistisch.

Sie müssen meine Kommentare aufmerksamer lesen!

Bei der noa bank kann Jeder ein Girokonto öffnen, auch Arbeitslose und Hartz 4 Empfänger.

Für Sie wiederhole ich mich aber gerne nochmal.  Das entscheidende Kriterium dafür, dass bei der noa bank kein Girokonto geöffnet werden kann, ist ein negativer Schufa-Eintrag. Dieser negative Eintrag ist unabhängig von der beruflichen Situation.

Zudem unterstützt die noa bank ausschließlich kleine und mittelständische Unternehmen, welche nachweislich für 2/3 der Arbeitsplätze in Deutschland verantwortlich sind, auch in Bochum.

andreas wissemann

dies ist eine info.laut zka ist jede bank verpflichtet jedem ein girokonto auf guthaben zu geben.die geldinstitute haben sich hiermit eine selbstverpflichtung auferlegt.auch die noa bank.in ihrem fall sollte man sich mal bei der verbraucherzentrale erkundigen.es gibt sogar schon urteile deutscher gerichte hierzu.eine bank sollte das aber wissen.ich hoffe sie überdenken mal ihre meinung.gesetz ist gesetz!

andreas wissemann

gut ich muß zugeben das meine kritik teilweise gegen die noa bank ziehmlich unfair ist.meine erfahrungen beruhen auf persönliche gespräche die ich mit bochumer banken gemacht habe.es gibt sehr gute wie sehr schlechte banken.diese erfahrungen haben mich sehr wütend gemacht.ich möchte ihnen aber nichts böses herr jozic.für die teilweise unfaire und unsachlichen äußerungen möchte ich mich entschuldigen!ihrer bank wünsche ich alles gute zum start!ich lasse die noa bank nicht aus den augen und hoffe daß sie den großen banken richtig konkurenz machen.a.wissemann

Francois Jozic

Sehr geehrter Herr Wissermann,

1) Sie haben Recht auch die noa bank unterliegt der Selbstverpflichtung des ZKA.

Mit Ihrem Hinweis sprechen Sie aber genau das Dilemma der noa bank an. Das Dilemma besteht nämlich darin, dass die noa bank ein kostenloses Girokonto anbieten möchte.

Aus diesem Grund gibt sie bei Öffnung eines Girokontos eine Master Card Instant mit aus. Das Ausschlusskriterium ist in diesem Fall der negative Eintrag bei der Schufa.

Würden wir dies nicht tun, wäre das Girokonto bei der noa bank nicht mehr kostenlos, da der Zugriff auf das Konto über einen Geldautomaten einer anderen Bank erfolgen müsste. Diese Abhebung kostet 5 Euro und kann von manchem Kunden nicht regelmäßig aufgebracht werden.

Beide Alternativen stellen ein Ausschlusskriterium für eine bestimmte Gruppe von Menschen dar, das ist uns bewusst. Deshalb arbeiten wir auch an einer Lösung für diese Probleme und hoffen zukünftig ein kostenloses Girokonto für Jedermann bereitstellen zu können.

2) Ich akzeptiere Ihre Kritik und bedanke mich dafür, dass Sie sich bislang so rege an dem Dialog auf unserer Website beteiligt haben. Ich bin daran interessiert, was die Kunden und Interessenten der noa bank noch nicht genau verstehen. Genau um diese Fragen zu beantworten und den Meinungsaustausch zu fördern, haben wir die Möglichkeiten eines Blogs in Anspruch genommen.

Jürgen Malberg

Ich sehe der Vision Noa Bank positiv entgegen und bin sehr gespannt wie sich die Bank in der Realität entwickeln wird.

Jedoch stellen sich mir noch folgende Fragen:

Wie werden bei einen kostenlosen Girokonto die Abhebungen mit der Mastercard finanziert? Auch dabei fallen Gebühren an und andere Banken wie ING DiBa die ebenfalls Kreditkarten nutzen haben das Girokonto eher als Lockmittel und machen Gewinn mit den anderen Produkten die die Noa ja bewußt ablehnt.

Ist nicht zu befürchten, dass die “guten Kunden” schon vergeben sind und erstmal nur die Kunden kommen die ein kostenloses Konto haben ober Kunden die nur sehr geringe Summen anlegen wollen/können?

Ich wünsche der NOA alles Gute und hoffe dass der Bankensektor dadurch neue Impulse bekommt, aber ich bin skeptisch ob sich NOA gegen die Macht der Großen durchsetzen kann.

Jedenfalls Leute die eine Idee haben und dann auch umsetzen sind mit sympatisch. wink

Viele reden nur handeln aber nicht!

Christian

Sehr geehrter Herr Jozic,

seit einiger Zeit verfolge ich mit großem Interesse das Konzept Ihrer Bank und kann mich auch für Ihre Idee begeistern. Gerne würde ich auch ein Tagesgeldkonto bei Ihnen eröffnen. Als Berufsanfänger nach abgeschlossenem Studium reiche ich an die 50 000 Euro garantierte Einlagensicherung noch nicht wirklich ran. Jedoch hält mich noch immer eine gewisse Restunsicherheit davon ab, tatsächlich ein Tagesgeldkonto bei Ihnen zu eröffnen. Dies begründet sich vor alles aus der Tatsache, dass ich meine kompletten Ersparnisse - aufgrund der attraktiven Zinsen welche Sie anbieten - bei Ihnen ablegen würde. Im Falle der Fälle - sprich bei Pleite Ihrer Bank -  also für eine lange Zeit ohne meine Ersparnisse dastehen würde. Zudem frage ich mich, ob es sich bei den momentan angebotenen Zinsen eventuell um ein Lockangebot handelt, um in der Anfangsphase schnell Kunden zu gewinnen, welche dann schnell an die aktuell etablierten 1,5 % p.a. Zinsen angepasst werden oder kann ein derartig hoher Zins über längere Zeit “garantiert” werden? Auch ist natürlich ein gewisses Anfangsrisiko mit einer neuen Bank behaftet und Sie werden sicherlich verstehen, dass ich da noch gewisse bedenken habe, gerade wenn meine gesamten Ersparnisse bei Ihnen deponiert werden würden… 

An die anderen Blogteilnehmer:
Dass eine Bank sich eine Schufa-Auskunft einholt ist ja wohl gängige Praxis aller Banken. Wer sich mal Meinungsberichte von Kunden anderer Banken durchlesen würde, würde feststellen, dass vielen die Eröffnung eines Girokontos bei anderen Banken ohne weitere Begründung einfach verwehrt wurde. Dass oft keine Begründung für einen Ablehnungsbescheid gegeben wird ist natürlich “suboptimal” aber dass sich eine Bank seine Kunden aussuchen möchte ist doch wohl mehr als nur verständlich. Ihr würdet ja wohl auch jemanden kein Geld leihen, von dem ihr wisst, dass ihr es möglicherweise nie wieder bekommen würdet, oder? Da bei einen Girokonto auch ein Dispokredit beantragt werden kann, muss doch eine Bank auch sicher gehen können, dass diese ihr Geld wieder bekommt. Wie ich finde, ihr gutes Recht ! Wer dies nicht so sieht, kann mir gerne ein wenig Geld überweisen, vielleicht bekommt ihr es ja von mir wieder, vielleicht auch nicht wink

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